KALENDERWOCHE 4
Manchmal fühlt sich das Leben an wie ein langer, trockener Abschnitt. Man macht weiter, weil man muss. Man redet, plant, organisiert – aber innerlich ist etwas
leer. Genau da holt mich Psalm 42 ab.
Der Psalmbeter klingt nicht wie jemand, der alles im Griff hat. Eher wie ein Mensch, der müde geworden ist. Einer, der Gott sucht – und ihn gerade nicht findet.
Seine Worte sind kein frommer Text für gute Tage, sondern ein Gebet für Zeiten, in denen der Glaube sich anfühlt wie ein Restbestand. Noch da, aber knapp.
Er beschreibt diese innere Spannung, die viele kennen: Sehnsucht nach Gott – und gleichzeitig das Gefühl, dass Gott weit weg ist. Tränen kommen leichter als
Worte. Erinnerungen an früher tun weh, weil sie zeigen, was einmal war und gerade fehlt. Und dann diese leise, bohrende Frage: Wo ist Gott jetzt?
Das Leben bringt uns manchmal genau dorthin. In Phasen, in denen wir Gottes Nähe nicht spüren. Nicht, weil wir weniger glauben – sondern weil Belastung,
Enttäuschung oder Erschöpfung alles überlagern. Man betet, aber es fühlt sich an, als würde nichts zurückkommen. Man weiß, dass Gott da ist, aber man fühlt es nicht.
Was mich an Psalm 42 so berührt: Der Beter bricht den Kontakt nicht ab. Er zieht sich nicht zurück. Er sagt Gott genau das, was ihm fast den Glauben raubt.
Seine Klage ist kein Zeichen von Unglauben, sondern von Beziehung. Er weiß: Wenn ich schon nichts mehr verstehe, dann ist Gott immer noch der Ort, an dem ich ehrlich sein darf.
Besonders stark finde ich, dass er mit sich selbst spricht. Er hält kurz inne im inneren Chaos und sagt zu seiner eigenen Seele: Warum bist du so unruhig? Das
ist kein strenger Befehl, eher ein tastender Versuch, sich selbst nicht zu verlieren. Und dann dieser Satz, der den Psalm trägt:
„Harre auf Gott.“
Nicht, weil plötzlich alles gut wäre. Nicht, weil die Situation gelöst ist. Sondern weil der Beter sich an etwas festhält, das größer ist als sein momentanes
Empfinden. Er rechnet damit, dass Gott eingreift – auch wenn er es gerade nicht sieht.
Psalm 42 endet nicht mit schnellen Antworten. Aber er endet mit einer Richtung. Mit der Entscheidung, nicht aufzugeben. Weiter zu warten. Weiter zu hoffen.
Weiter zu glauben – auch auf wackeligen Beinen.
Vielleicht ist das genau der Glaube, den wir im Alltag brauchen:
Nicht stark.
Nicht laut.
Aber ehrlich.
Und manchmal besteht Hoffnung einfach darin, sich selbst leise zuzusprechen:
Harre auf Gott.